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terranets bw im Dialog – Interview mit Christoph Kröhnert

05.04.2022 / Lesezeit: 10 Minuten

Christoph Kröhnert ist Projektleiter des SEL-Abschnitts zwischen Siegelsbach und Esslingen am Neckar. Der 60-Jährige blickt auf eine über 30-jährige Erfahrung im Unternehmen terranets bw zurück, das zunächst noch Gasversorgung Süddeutschland, dann GVS Netz hieß.

Im Gespräch gibt Christoph Kröhnert einen Einblick in seinen Arbeitsalltag als Projektleiter, die Herausforderungen auf seinem Abschnitt der SEL sowie seine umfangreiche Projekterfahrung. Mit der Nordschwarzwaldleitung mit einer Länge von 70 Kilometern hat er in den Jahren 2014 und 2015 den größten Leitungsbau der GVS/ terranets bw seit 40 Jahren umgesetzt.


Herr Kröhnert, was ist Ihre Aufgabe als Projektleiter für den Abschnitt Siegelsbach – Esslingen a.N.?

Als Projektleiter bin ich vom Unternehmen mit der termingerechten Fertigstellung der Leitung beauftragt, natürlich unter Einhaltung des Kostenrahmens und der entsprechenden Qualität, die gefordert ist. Darüber hinaus ist mein Job die Koordination aller an der Planung und am Bau beteiligten Unternehmen sowie die Wahrung der Interessen der Stakeholder.


Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die man in Ihrem Job mitbringen sollte?

Berufserfahrung ist wichtig. Mit Erfahrung lassen sich bestimmte Hürden besser nehmen und man kann manches anders einstufen, als wäre man noch neu im Job. Ansonsten: Flexibilität, wenn es darum geht, auf die Belange Anderer einzugehen. Ebenso ein gutes Maß an Durchsetzungsvermögen, weil man es mit Sicherheit nicht allen rechtmachen kann.

Was mir ganz wichtig geworden ist – da habe ich mich in den letzten Jahren auch weiterentwickelt – ist Empathie. Für die Interessen und Belange der Stakeholder ganz allgemein, aber speziell natürlich auch der kritischen Stakeholder.

Können Sie einen typischen Arbeitstag beschreiben?

Jeder Tag ist anders. Der Tagesablauf ist in starkem Maße von Improvisation und Fremdbestimmung geprägt. Es gibt selten einen Tag, an dem von vornherein vorhersehbar ist, was alles gemacht werden muss. Meistens ist es so, dass ich morgens in den ersten Stunden und dann noch einmal kurz vor Feierabend die Zeit habe, bestimmte Themen auch mal etwas kontinuierlicher zu bearbeiten. Aber dazwischen, von 9 bis 17 Uhr, bin ich regelmäßig in Terminen und Telefonaten. Parallel dazu habe ich gerade noch ein Projekt, das sich in der Realisierung befindet, bei dem ich ein bis zwei Tage die Woche auch draußen auf der Baustelle bin.
In den letzten zwei Jahren hat Corona natürlich alles überlagert und auch wir waren gehalten, vieles online zu bewältigen. Aber ich glaube, wir haben das gut bewältigt als Unternehmen.

In welcher Phase befindet sich Ihr Projekt?

Der Abschnitt im Regierungsbezirk Stuttgart ist bereits planfestgestellt, das heißt, wir befinden uns in der Phase der Ausführungsplanung. Der Abschnitt ist in Realisierungsabschnitte unterteilt, die zu verschiedenen Zeiten umgesetzt werden. Auf den unterschiedlichen Realisierungsabschnitten habe ich es auch mit zwei unterschiedlichen Planungsbüros zu tun. Die beiden Projekte sind unterschiedlich weit vorangeschritten: Auf dem Abschnitt zwischen Heilbronn und Löchgau ist die Planung relativ weit fortgeschritten. Hier haben wir zum Beispiel bereits vollständige Planunterlagen. Da geht es jetzt noch um Details und einzelne Änderungen an besonders schwierigen Trassenabschnitten. Diese werden in den nächsten Monaten mit den Betroffenen abgestimmt und anschließend zur Genehmigung bei der zuständigen Behörde eingereicht. Und es geht auch darum, schon die ersten Ausschreibungen, zum Beispiel für Pipelinerohre und Absperrarmaturen, vorzubereiten bis zum Jahresende.

Für die beiden Abschnitte, die sich nördlich bzw. südlich anschließen, werden momentan noch viele Grundlagen für die Ausführungsplanung erarbeitet und erhoben. Da sind diverse Aktivitäten des Ingenieurbüros vor Ort zu koordinieren wie Baugrunderkundung, Artenschutzkartierung und Vermessungen. Auf dieser Basis können anschließend die Planunterlagen erstellt werden. Im Großen und Ganzen liegen wir im Zeitplan und ich bin zuversichtlich, dass wir alles rechtzeitig fertigstellen können.


Welche konkreten regionalen Herausforderungen bestehen auf „Ihrem“ Leitungsabschnitt?

Da gibt es eine ganze Reihe von Schwerpunkten, die wir zu bewältigen haben. Es ist ein relativ dicht besiedelter Raum mit sehr vielen Infrastrukturen, die die Trasse kreuzen oder sie beeinflussen. Und wir haben es mit sehr anspruchsvollen Grundstückseigentümern zu tun. Die Landwirtschaft spielt eine große Rolle, da wir mit unseren Pipelines fast ausschließlich im ländlichen Raum unterwegs sind und somit außerhalb von bebauten Gebieten und Ortschaften. Die Landwirtschaft ist also die Hauptbetroffene von so einem Pipelinebau. Bei den sehr wertvollen landwirtschaftlichen Böden, die wir hier haben, ist die große Herausforderung, dass diese Böden nach dem Pipelinebau die gleiche Ertragsfähigkeit haben wie vorher.. Wir erarbeiten dafür die entsprechenden Bodenschutzkonzepte; mit deren Umsetzung gemäß dem heutigen Stand der Technik ist dieses Ziel durchaus erreichbar.

Ein weiteres Thema sind anspruchsvolle Trassenabschnitte wie die Talquerungen von Neckar und Enz, auch da wiederum mit entsprechenden Infrastrukturen, Bundesstraßen, Bahnlinien, den Gewässerquerungen selbst. Das sind die Abschnitte, die technisch sehr anspruchsvoll sind und die auch noch eine sorgfältigere Ausführungsplanung verlangen als es nach den jetzt vorliegenden Plänen der Fall ist.

Wo sehen Sie die größten Hürden auf dem Weg zur Fertigstellung des Leitungsabschnitts?

Was uns momentan große Probleme bereitet, ist die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage. Der schon länger bekannte Fachkräftemangel ist ein Thema, außerdem die Materialverknappung, die wir aktuell zu befürchten haben. Dazu kommt die unsichere Wirtschaftslage mit der Inflation. Wir wissen im Moment noch nicht, was da noch auf uns zukommen wird.


Welche Rolle spielt für Sie eine frühe Beteiligung der Bürger:innen der Region?

Es gibt den schönen Satz: Wir wollen Betroffene zu Beteiligten machen. Das ist nicht nur dahingesagt, sondern das Selbstverständnis der terranets bw als Unternehmen, das in der Region verankert ist. Wir werden die Leitungen über Jahrzehnte hinweg betreiben und dadurch mit den Grundstückseigentümern und den Bewirtschaftern, den Landwirten, aber auch mit kommunalen Vertretern regelmäßig zu tun haben. Obwohl die Trassenführung durch den bestehenden Planfeststellungsbeschluss feststeht, können wir innerhalb des bestehenden Rahmens noch agieren. Wir möchten Vertrauen aufbauen, indem wir zeigen, dass wir auch individuelle Auswirkungen des Projekts zum einen erkannt haben. Zum anderen möchten wir durch eine sorgfältige Planung und Baudurchführung die Auswirkungen auf ein Mindestmaß beschränken. Ganz ohne Auswirkungen geht es jedoch nicht, das wäre geflunkert. Aber wir müssen darauf achten, dass wir jeden einzelnen Fall betrachten und die Planung sowie Baudurchführung so sorgfältig wie möglich umsetzen.


Wie erleben Sie den Austausch in den betroffenen Kommunen zu Ihrem Vorhaben?

Grundsätzlich sehr konstruktiv. Durchaus auch kritisch, aber fast immer sachlich. Es gibt viel Verständnis für die Notwendigkeit dieses Infrastrukturprojekts. Die Energiewende ist als wesentliche Maßnahme für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes erkannt worden, und zwar nicht nur von Behördenvertretern oder kommunalen Vertretern, sondern auch von einem Großteil der Bevölkerung. Gerade durch die Vorbereitung der Pipeline auf Transport von Wasserstoff gewinnt die Leitung an Akzeptanz.

Mit welchen drei Begriffen würden Sie Ihren Arbeitgeber terranets bw beschreiben?

Sicherheitsbewusstsein, mittelständische Strukturen, Zukunftsorientierung.


Welche Bedeutung hat die SEL für die Region?

Die Bedeutung der SEL geht über die Region, in der sie verläuft, hinaus. Aber speziell die Region zwischen Stuttgart und Heilbronn – die Region Mittlerer Neckar hier in Baden-Württemberg – profitiert von einer langfristigen Versorgungssicherheit mit Gas. Das gilt sowohl für Haushalt und Gewerbe als auch Industrie und zunehmend auch für die Stromerzeugung – wobei hierbei nicht nur Gaskraftwerke gemeint sind. Auch in vielen Blockheizkraftwerken werden gasförmige Brennstoffe verwendet, sodass Nahwärmenetze auf Gasbasis in den letzten Jahren eine große Bedeutung gewonnen haben und in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen werden.


Die Energiewende soll weiter beschleunigt werden. Welchen Beitrag kann die SEL zum Gelingen der Energiewende leisten?

Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, gerade in der jetzigen Zeit. Ich bin der Meinung, dass Erdgas als Brückentechnologie weiterhin notwendig bleibt, auch wenn wir im Moment nicht so richtig wissen, wo dieses Erdgas in den nächsten Monaten und Jahren herkommen wird. Erdgas sorgt für eine erhebliche Minderung der CO2-Emissionen, indem es als Substitut für Kohle und Öl, vor allem bei der Stromerzeugung, aber auch bei der Gebäudeheizung bereitsteht.

Mittel- und langfristig steht natürlich das Thema Wasserstoff, klimaneutrale Gase ganz allgemein, im Fokus. Die Leitung wird Wasserstoff geeignet sein. Hierfür sind wir ganz aktuell in den letzten Tagen und Wochen in der Abstimmung gewesen, um den richtigen Werkstoff für die Stahlrohre zu konzipieren und dadurch den Wasserstofftransport und die Pipeline-Sicherheit zu optimieren.


Sie sind vor kurzem 60 geworden – herzlichen Glückwunsch – und verfügen bereits über viel Projekterfahrung. Welches Projekt ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?

Da muss ich nicht lange überlegen. Das war die Nordschwarzwaldleitung, eine Pipeline mit etwa 70 Kilometern Länge zwischen Au am Rhein und Leonberg. Dieses Projekt habe ich von der ersten Zeichnung bis zur Inbetriebnahme 2015 und den entsprechenden Rekultivierungsarbeiten begleitet und  als Projektleiter verantwortet. Das war seit vielen Jahren das erste Großprojekt, das die terranets bw realisiert hat und das hat hervorragend geklappt. Gleichwohl  es in einer insgesamt recht schwierigen Zeit mit vielen Umbrüchen abgewickelt worden ist. Wir haben allein während der Projektlaufzeit zweimal unseren Firmennamen ändern müssen- von Gasversorgung Süddeutschland zu GVS Netz, dann zu terranets bw. Aber es war eine wirklich tolle Teamarbeit, sowohl intern als auch mit den externen Partnern, die mir persönlich viel Erfahrung und Anerkennung im Unternehmen eingebracht hat, auf die ich jetzt auch setzen kann.

Herr Kröhnert, vielen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch.